Sophie ist ein kleines Hasenkind. Sie hat noch zwei Brüder und eine Schwester. Gemeinsam spielen sie jeden Tag im Garten in ihrem großen Gehege. Ihre Eltern heißen Felix und Lilli. Sie sind die besten Eltern auf der ganzen Welt. Felix hat ein helles, braunes Fell, Lilli ein dunkles, graues. Sophie hat von beiden etwas abbekommen. Zwei ihrer kleinen Füßchen sind grau, der Rest ist braun. Sie ist so glücklich, bis eines Tages etwas Unvorhergesehenes geschieht.
Tom, einer ihrer zwei Brüder, hatte eine Idee. “Lasst uns ein Loch unter den Zaun graben und schauen, wie es in der Umgebung aussieht!” Alle Hasenkinder waren sich einig, dass dies eine tolle Idee war. Munter begannen sie zu graben. Es dauerte nicht lange und sie waren unterwegs zu Nachbars Garten. Leider sahen sie zu spät, dass ihnen Lukas, ihr menschlicher Freund und Besitzer, gefolgt war. Schnell griff er nach den Geschwistern. Lotta, Bobby und Tom hatte er schon auf dem Arm, als Sophie zu laufen begann. Sie rannte so schnell sie nur konnte und blieb erst stehen, als ihr die Puste ausging.
Im Gebüsch versteckte sie sich, bis es Abend wurde. Langsam sah sie zwischen den Ästen hervor. Wo war sie nur? Alles sah so anders aus. Nach und nach merkte sie, dass sie sich verlaufen hatte. Es waren gar keine Häuser mehr zu sehen, nur Felder und Büsche. Ängstlich steckte sie ihr kleines Näschen in ihr weiches, warmes Fell und wartete so auf den nächsten Tag. Als die Sonne aufging, war Sophie gut gelaunt. Sie war sich sicher, dass sie in Kürze wieder bei Ihrer Familie sein könnte.
Auf ihrem Weg traf sie zuerst die Maus. “Weißt Du, wo mein Zuhause ist?” fragte Sophie. Doch die Maus antwortete: “Ich kenne Dich nicht! Hier wohnen keine Hasen! Möchtest Du bei mir bleiben? Ich bin auf dem Weg nach Amerika.” Sophie war begeistert. Sie hatte einen Freund und von einer Reise hatte sie auch schon immer geträumt. Gemeinsam liefen beide weiter. Plötzlich raschelte es im hohen Gras. Die Maus schrie: “Renn schnell weg. Das ist die Katze, die wird uns fressen!” Sophie rannte der Maus hinterher. Sie hatten Glück gehabt, doch schon kam das nächste Problem auf sie zu.
Große, laute, stinkende Ungeheuer fuhren an ihnen vorbei. Was war das? Sophie hatte so etwas schon einmal zuhause gesehen. Das Ungeheuer, das aber gerade neben ihr anhielt, übertraf alles. Schlimmer konnte es nicht kommen, dachte sie, und stieg in den Bus ein. Endlich im Warmen und nicht mehr selbst laufen müssen. Sophies große Reise ging weiter. So langsam gefiel dem Hasenkind das Abenteuer. Alles würde sie ihren Geschwistern und Eltern erzählen. Während diesen Gedanken schlief sie im hintersten Eck des Buses ein.
Stunden später hielt der Bus an. Sophie wurde nach vorne geschleudert. Die Tür öffnete sich und Sophie nutzte die Gelegenheit und stieg aus. “War ich hier schon einmal?” überlegte sie. Ihr Bauch knurrte. Sophie hatte großen Hunger. Was würde sie jetzt für eine Karotte geben! In diesem Moment wurde sie sanft hochgehoben. Ein kleiner Junge streichelte sie und sprach liebevolle Worte: “Wer bist Du denn? Hast Du Dich verlaufen?” “Ach, wenn er mich doch nur verstehen könnte!” dachte sich die kleine Hasendame. Der Junge nahm sie mit zu sich und gab ihr Futter und Wasser. Sophie fühlte sich unendlich wohl.
Die Wochen und Monate gingen ins Land. Längst war Sophie ausgewachsen und wurde mit einem Männchen bekannt gemacht. Der Hasenmann hieß Niko. So rief ihn zumindest der Junge. Wir verstanden uns sofort und jetzt ist Sophie selbst eine Mama. Sie ist sehr glücklich, doch immer muss sie an ihre Familie denken. Wenn sie doch sehen könnten, wie es mir geht. Zu einem lachenden Auge kam immer ein weinendes Auge dazu. Eines Tages nahm der Junge all seine Hasen mit zu einem Ausflug. Sophie war erstaunt und freute sich, dass sie auf Reisen gingen.
Was für ein Glück. Sophies größter Wunsch ging in Erfüllung. Ohne zu wissen hatte sie die ganze Zeit im selben Ort gewohnt, in dem sie auch geboren war. Der Junge war ein Freund von Lukas. Er hatte mitbekommen, dass Sophie verschwunden war und wollte ihm ein kleines Häschen schenken. Die Freude war groß und alle unendlich glückliche. Die Reise war schön, doch das Nachhause-Kommen noch tausend Mal schöner!